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Und immer diese Fans…

Meinung

Alemannia Aachen steht vor der nächsten Insolvenz. Der Aufsichtsrat tritt geschlossen zurück – und stänkert in seiner Erklärung gegen die Fans, die ihm nicht blind vertrauen wollten.

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Von Marcus Erberich

KLATSCH! Der Karren ist wieder mal mit voller Wucht an die Wand gesaust. Diese schwarz-gelbe Rostlaube, die mit all ihren Flecken und Dellen ohnehin nur noch etwas für Liebhaber und Nostalgiker war: zertrümmert und zerfetzt in ihre Einzelteile.

Das war vor wenigen Jahren schon einmal passiert. Damals konnte der Hobel wieder flott gemacht werden, halbwegs jedenfalls, wenn auch eher notdürftig – der Motor klang seither allerdings wie ein Blecheimer voll Schrauben. Und nun also der zweite Totalschaden.

Am Dienstag hat die Alemannia in einer Mitteilung verkündet, dass sie „aufgrund der zu beachtenden rechtlichen Vorschriften“ sowie „drohender Zahlungsunfähigkeit“ entschlossen habe, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Aachen einzureichen. Schwere Herzen, erforderlicher Schritt, das übliche Bla-bla. Außerdem haben die Autoren aber auch noch einen Satz in die Mitteilung gemogelt, der einen stutzig werden lässt.

Da heißt es: „Die Option, gemeinsam mit einem starken Investor eine Rückkehr in den Profifußball anzustreben, scheiterte trotz guter sportlicher Leistung nicht zuletzt an der nach wie vor ablehnenden Haltung großer Teile von Fangruppierungen (…)“. Aha! An der ablehnenden Haltung mancher Fans und – schlimmer noch! – ihrer Gruppierungen sind die Verhandlungen also gescheitert! Diese lästigen Fans, alles machen die einem kaputt! Ganz ehrlich: Wer denkt sich so etwas aus?

tivoli aachen foto stefan follmer

Die Alemannia steht einmal mehr am Abgrund. Wie geht es weiter am Tivoli?

Waren denn die möglichen Investoren davon ausgegangen, mit Riesenrad und Bierzelt am Tivoli empfangen zu werden? Wohl kaum, schließlich sind Kapitalanleger im Fußball nicht nur in Aachen ein heißes Thema, sondern auch im Rest der Republik. Es gibt Gegner, es gibt Fürsprecher. Gemessen am oft scharfen Ton in dieser Debatte war der Widerstand in Aachen allenfalls durchschnittlich.

Und überhaupt: Warum wurde das vorliegende Investoren-Konzept, von dem seit Monaten berichtet worden war, den Mitgliedern nie zur Abstimmung vorgelegt? So sollte es doch ablaufen, oder? So hätte man schwarz auf weiß haben können, welche Tendenz wirklich überwiegt: ja oder nein. Zu einer Abstimmung kam es nie, die Verhandlungen sind trotzdem gescheitert. Sind daran nun die ach so aufmüpfigen Fans schuld? Oder doch eher diejenigen, die bei den Verhandlungen mit am Tisch saßen?

Wie geht es jetzt weiter? Der Mannschaft werden neun Punkte abgezogen, das Gericht hat den vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Christoph Niering aus Krefeld installiert, der Aufsichtsrat ist geschlossen zurückgetreten. Was mit der GmbH passiert, in die der Fußball ausgegliedert wurde, kann man noch nicht sagen. Zunächst muss der Spielbetrieb bis zum Ende der Saison gesichert werden.

Das Investoren-Thema wird in Aachen wohl weiterhin die Gespräche rund um die Alemannia bestimmen. Spätestens nach einer überstandenen Insolvenz wird der Ruf nach frischem Geld wieder laut werden, vielleicht lauter als jemals zuvor – auch bei Teilen der Fans. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. \

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