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Führungspersönlichkeiten sind gefragt – nicht nur Geld

Kommentar

Das neue Alemannia-Trikot stiehlt der Jahreshauptversammlung die Show. Viele Fragen bleiben offen. Klar ist: Es wird mehr als nur Geld benötigt.

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Von Tim Habicht

Ob es Zufall war, dass Alemannia Aachen wenige Stunden nach einer der wichtigsten Jahreshauptversammlungen der Vereinsgeschichte sein neues Trikot vorstellte? Dass die Alemannia eine Woche lang mit Videos und Bildern die Aufmerksamkeit auf das neue Trikot lenkte? Wohl kaum.

So gingen die Debatten, Diskussionen und weiterhin offenen Fragen, die auf der JHV im Aachener Eurogress am Donnerstagabend entstanden, im Trubel der Trikot-Präsentation leicht unter. Ein neues gelbes Heimtrikot lässt sich eben besser verkaufen als eine Saison, die man mit einem satten Minus von rund 800.000 Euro abschloss.

Zwei Jahre nach dem Neustart steckt der ehemalige Bundesligist wieder in der finanziellen Krise. Wenn man bedenkt, dass der Malus der abgelaufenen Spielzeit eigentlich doppelt so hoch, nämlich bei 1,6 Millionen Euro, liegen müsste, kann es einem schon kalt den Rücken runter laufen. Aber die Zahlen der Alemannia Aachen GmbH wurden mit dem Verkauf von Marketing-Rechten kaschiert. An wen diese Rechte verkauft wurden? Das blieb offen.

Offen blieb auch, wie man nur rund zwei Jahre nach der Insolvenz schon wieder vor dem finanziellen Kollaps stehen kann. Ein Investor sei unvermeidbar. Nicht, um sportlich höhere Ziele anzugreifen. Sondern um die Alemannia vor der nächsten Pleite zu bewahren. Das war der Tenor von Alemannia-Aufsichtsrat Christian Steinborn und Alemannia-Schatzmeister Horst Reimig.

Die treuen Fans sollen ihrem Verein weiter die Treue halten, ins Stadion pilgern und jetzt eben Joma-Trikots kaufen. Sie sollen das ausbügeln, was die Verantwortlichen in verschiedenen Funktionen gemeinsam verbockt haben. Und sie sollen vor allem den Weg für einen Investor frei machen, der zunächst Anteile in Höhe von 49 Prozent an der Alemannia Aachen GmbH und beim Ende der „50+1“-Regel, die verhindert, dass Investoren in Deutschland die Mehrheit an einem Fußball-Klub erwerben können, weitere Anteile in Höhe von 30 Prozent erwirbt.

Dass Schatzmeister Reimig nach einer der chaotischsten Spielzeiten der Alemannia-Geschichte und besorgniserregenden frischen Zahlen äußerst dünnhäutig auf eine knappe Entlastung der Gremien durch die anwesenden Mitglieder reagiert, mag da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.

Es zeigt aber vor allem eines: Die Investoren-Lösung ist nicht zwingend für Alemannia Aachen die beste Lösung. Aber sie ist zweifelsfrei die beste Lösung, damit verschiedene Verantwortliche die Lasten auf andere Schultern legen können. Probleme werden also nicht gelöst, sondern verschoben. Damit einhergehend gibt man aber auch seine komplette Handlungsfähigkeit ab.

Dass die Lösung, mit einem starken Investor an der Seite, auch positiv verlaufen kann, steht außer Frage. Dafür ist noch zu wenig über selbigen bekannt. Die Alemannia benötigt aber nicht unbedingt viel Geld, sondern starke Führungspersönlichkeiten. Nicht nur auf dem Feld, sondern auch in den Positionen neben dem Platz. Viel Geld kann nämlich auch schnell verprasst werden, wenn eine gesunde Basis fehlt. \

LINK: Augen auf und durch

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4 Kommentare zu Führungspersönlichkeiten sind gefragt – nicht nur Geld

  1. Franz Wirtz // 26. Juli 2016 um 0:10 // Antwort

    Aktenzeichen XY …

    Sie stehen im Regen und warten …
    Das heute veröffentlichte Interview in „In der Pratsch“ des Verwaltungsratsvorsitzenden von Alemannia Aachen, verdeutlicht das, was ohnehin jedem schon längst klar sein konnte: Die verantwortliche Führungsspitze der Alemannia steht mit absolut leeren Händen da und hat auch heute schon, angesichts der „drohenden“ Abstimmung seitens der Mitglieder, „die Hosen gestrichen voll“.

    Ausschließlich ihre fatale Zwischenbilanz und die sichere Erwartung, demnächst schon wieder in den nächsten Abgrund zu steuern, hat sie aus heiterem Himmel davon schwafeln lassen, dass ein Investoren-Einstieg die allein seligmachende Lösung ausgerechnet für den Traditionsverein Alemannia Aachen wäre. Zugegebenermaßen hätte die Formulierung: „Scheiße, wir brauchen schon wieder neue Kohle!“ – auch nur halb so intelligent geklungen, allerdings exakt das Gleiche zum Ausdruck gebracht. Wäre allerdings ehrlicher gewesen, schließlich haben sie nicht einen Funken von Ahnung, wie man das nun anstehende Geschachere auch nur halbwegs kontrolliert in geordnete Bahnen lenkt und zu einem sinnvollen Ergebnis bringen kann.

    Ihr bestes Argument ist die eigene Unfähigkeit
    Eine durchaus denkbare und für jeden echten Sportsmann wünschenswerte Ablehnung wäre für sie eine echte Katastrophe, entsprechend droht auch jetzt schon ausgerechnet ihr Möchtegern-Putin für diesen Fall mit seinem Rücktritt. Angesichts seiner und der seiner Kollegen zu erahnenden Bilanz ein zweifelhaftes Unterfangen. Die beiden letzten Jahre gehen als eine vollständig sinnlose und verlorene Zeit in die Klubanalen ein. Der Klub hat zusätzlich viel Geld verloren und er hat darüberhinaus sein ohnehin schon geschrumpftes Rest-Renommee eingebüßt.

    Warum werden die Namen der angeblich in der Warteschlange lauernden Investoren nicht veröffentlicht? Denkbar ist vieles:

    Beinhalten die Namen zuviel Sprengstoff? Sind „neutrale“ Namen überhaupt denkbar oder löst jeder Namen zwangsläufig eine Reihe von Bedenken und Gegenargumenten aus?

    Bestehen die angeblich Interessierten darauf, vorerst noch ungenannt zu bleiben? Weil sie sich einen unbeschadeten Rückzug offen halten möchten? Weil sie sich ihrer Sache längst noch nicht sicher sind und bislang lediglich völlig offene Gespräche geführt haben? Werden sie sich überhaupt jemals zu erkennen geben oder bedienen sie sich nichts sagender „Strohmänner“? Möchten sie möglichst lange und ungestört „pokern“ können und so ihre Einstiegsbedingungen entscheidend verbessern? Gibt es sie überhaupt, und wenn ja, wieviele? Nichts ist unmöglich.

    Die Zeit arbeitet gegen den Klub
    Fatalerweise betonen die Verhandlungsführer des Traditionsvereins dies bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Auf diese Art und Weise möchten sie ausgerechnet die eigenen Klubmitglieder erpressen und so, auf diese Art zwingen, sie auf ihrem fragwürdigen Weg zu unterstützen. Längst drängt sich der Eindruck auf, jede weitere schlechte Meldung kommt den Verantwortlichen an der Krefelder Straße diesbezüglich zu pass, erhoffen sie sich doch völlig unverhohlen angesichts einer vermeintlich zunehmenden Ausweglosigkeit weitere Zugewinne innerhalb der gespaltenen Fangemeinde.

    Ich habe es bereits an anderer Stelle mehrfach beschrieben, aber die momentan Verantwortlichen haben sich angesichts der von ihnen selbst angezettelten Diskussion, und ihrer mehr als fragwürdigen Art damit umzugehen, längst selbst „erledigt“, unabhängig vom weiteren Werdegang.

    Gleich und gleich gesellt sich gern
    Eine schlechte Ausgangslage gilt in noch höherem Maße für die Stadt Aachen, die sich in geradezu höriger Art und Weise selbst in die Jauche geritten hat. Es mag nach außen den Eindruck erwecken, dass die Investorengruppe(n) mit dem Traditionsverein (irgendwann einmal, vielleicht) um Details ringen, in Wirklichkeit steht und fällt jeder Einstieg von Investoren mit den Rahmenbedingungen, sprich der Miete, die die Stadt Aachen fordert. Die Stadt verfügt über keinen anderen vergleichbaren Mieter.

    An dieser Stelle zahlt sich die Unverfrorenheit und die Charakterlosigkeit derjenigen aus, die das absichtsvoll genau deswegen so eingefädelt haben. Ähnlich wie der Klub posaunen die Verantwortlichen im Rathaus ebenso bei jeder Gelegenheit in die weite Welt hinaus, dass ihnen die Hände gebunden sind und liefern entsprechend so, auf ihre Art, eine ideale Gesprächsatmosphäre für alle möglichen Dahergelaufenen.

    Pharisäer und Dummschwätzer
    Die Stadt und der Klub reiten seit Jahren einvernehmlich und brav händchenhaltend auf der von ihnen selbst verursachten „Alternativlos-Welle“. Die Aachener Bevölkerung muss sich damit auseinandersetzen, dass das Warten auf eine innere Einsicht bei dem hier in Rede stehenden Personenkreis völlig abwegig und hoffnungslos ist. Die Frage, ob die jeweils gerade Verantwortlichen bloß nicht wollen oder generell nicht können, spielt für den weiteren Verlauf keine Rolle mehr.

    Das Allerletzte wäre die Gewissheit, dass alle bereits erbrachten Opfer und die noch folgenden Zugeständnisse in die Taschen geldgeiler Investoren flössen.

    PS:
    MARTIN FRÖHLICH: „MITSPRACHERECHT SCHWIERIG ZU ERREICHEN“
    25. Juli 2016 Mo-Jul-16

    http://www.inderpratsch.de/blog/sprechstunde-martin-froehlich-investorenloesung/

    Der Vorsitzende des Verwaltungsrates des TSV Alemannia Aachen will sich in Sachen Investor nicht wirklich festlegen lassen und äußert seine Angst um den Gesamtverein.

  2. Franz Wirtz // 22. Juli 2016 um 2:36 // Antwort

    Eine echte „IGeL“- Leistung – kostet zwar, nützt aber nichts …

    „Wenn sich sue janüß deäht, jönt vuer in d’r Kelder, in et Archiv, wa!“
    (Schreibweise ohne Gewähr)

    So ändern sich die Zeiten
    Exakt das genaue Gegenteil dessen, weswegen der „fortwährend Kritisierte“ ausnahmsweise ‚mal gelobt wurde, – möchten andere uns heute als „Ihre Große erfolgversprechende Lösung“ unterjubeln:

    Auszug: „Was wir ihm zugute halten: Er hat die Alemannia nicht verkauft. Stattdessen zog er die rote Karte in den Finanzierungsverhandlungen mit der Kinowelt AG um den Tivoliumbau. Damit hören die guten Nachrichten über Hans Bay aber auch schon auf.“ (…)

    Während wie beschrieben, für den einen die guten Nachrichten auch schon wieder aufhören, haben für die anderen, – die heutigen, – diese noch nicht einmal angefangen. Die haben gemessen an ihren eigenen Versprechungen noch gar nichts auf die Reihe gebracht und suchen stattdessen, oder wohl gerade deswegen, ihr Heil weiterhin in „der Flucht nach vorn.“

    Im Moment tut sich rein gar nicht’s, schauen wir kurz zurück. – Es war einmal (2001):

    „Wir wollen bleiben, was wir sind: (…)“

    Angepinkelt.

    http://www.football-crazy.de/web/archiv/012aach2.htm

    Es ist wieder soweit: Alemannia Aachen in der Krise – traditionsgemäß, möchte man sagen, denn zweieinhalb (rechnet man die letzte Regionalligasaison hinzu) Jahre Euphorie scheint das Maximum dessen zu sein, was einem als Alemannia-Aachen-Fan zusteht. Das Abenteuer Erste Bundesliga endete schließlich auch im dritten Jahr, damals, 1970.

    In den 80ern schlug man sich mit dem Vereinspräsidenten Egon Münzenberg herum, dem Allmächtigen, dessen Imperium über Nacht endete: er setzte sich nach Kanada ab, kündigte sein Amt per Fax und ließ die Alemannia mit 3,5 Mio Schulden zurück – nahe am bekannten Abgrund.

    Der Allmächtige heißt heute Bay. Hans Bay. Hans „ich-weiß-was-am-besten-für-den-Verein-ist“ Bay. Hans „ich-weiß-was -am-besten-für-den-Verein-ist-und-Ihr-habt-alle-keine-Ahnung“ Bay. Ein Mann der großen Worte, der sich gerne weltmännisch gibt, mit Vokabeln wie modernes Unternehmertum und Professionalität um sich wirft – und dabei stets so wirkt, als hätte er jedesmal, wenn Öffentlichkeitsarbeit auf dem Stundenplan stand, gerade Kreide geholt.

    Was wir ihm zugute halten: Er hat die Alemannia nicht verkauft. Stattdessen zog er die rote Karte in den Finanzierungsverhandlungen mit der Kinowelt AG um den Tivoliumbau. Damit hören die guten Nachrichten über Hans Bay aber auch schon auf. Trotz fehlender Finanzierung wurde die – von Fans und Presse mittlerweile spöttisch so genannte – Bay-Arena großspurig vorgestellt und bereits als Adresse für die WM 2006 gefeiert. Das klitzekleine Problemchen mit Anwohnern, die sich auf irgendeine Sportanlagenlärmschutzverordnung berufen hatten, fegte er vor laufenden Kameras in markigen Tönen beiseite. Erwähnenswert auch die Diskussion um die neu zu besetzende Position des Sportdirektors. Vorgesehen für diesen Posten war Bernd Krings, bisheriger Schatzmeister. Externe Kandidaten, solche „gegelten“ Typen, die seine langjährige Arbeit zerstören, kommen einem Hans Bay nicht ins Haus: „Es kann nicht sein, daß Leute ohne Verantwortungsgefühl uns ständig anpinkeln.“ Außerdem könne man nicht mit einem Maulwurf im Verwaltungsrat leben, der Informationen lanciere – so zu lesen in AZ online, 01.02.2001. Er polterte, daß er sein Amt zur Verfügung stelle, wenn Bernd Krings nicht durchsetzbar sei. Krings hat übrigens inzwischen abgelehnt. Herr Bay? Hallo?

    Das Präsidium der Alemannia scheint den Blick fürs Wesentliche verloren zu haben. Schüttelte man anfangs noch ungläubig den Kopf, als Hans Bay als Saisonziel Platz 1 bis 6 vorgab und auch nicht davon abrückte, als der Verein sich längst in der Nähe des Abstiegskampfes befand, so wird jetzt das Rumoren in Öffentlichkeit und Fankreisen immer lauter. Dieses Präsidium setzt das wichtigste Kapital aufs Spiel, das die Alemannia hat: die Bindung zu den Fans (die Herr Bay übrigens auch schon mal in aller Öffentlichkeit als „asozial“ zu beschimpfen pflegt).

    Aachen ist keine Weltstadt und die Alemannia kein Weltverein. Die Mittelkreisanstoßfahne reicht uns als Symbol für die große weite Welt aus. Wir wollen diese aufgeplusterte Selbstherrlichkeit nicht, dieses großspurige elitäre Getue. Wir wollen bleiben, was wir sind: eine Provinzstadt, ein Provinzverein – mit dem gewissen Charme. Volksnah. Mit der im „professionellen“ Ligageschäft längst verlorenen Atmosphäre, die sich wie von früher anfühlt. Alemannia Aachen ist ohne sein Umfeld verloren.

    Und wir wollen vor allem eins nicht: absteigen.

    REUTER am 05.02.01

    P.S.: Demnächst mehr zum Thema Eugen „Wir-holen-heute-drei-Punkte“ Hach. Es sei denn, die Alemannia startet jetzt endlich mit ihrer Siegesserie. Vielleicht überleg ich’s mir dann nochmal. Aber nur vielleicht.

    PPS:
    Weil’s so schön war, – einer (oder zwei) gehen noch

    Die Rückkehr der Kartoffelkäfer

    http://www.football-crazy.de/web/archiv/012aach.htm

    „Mensch, haben die schlecht gespielt.“ – „Ja, die können’s einfach nicht.“ – „Aber alles gegeben. Irres Spiel!“

    Als Alemannia-Aachen-Fan hat man ein schweres Los. Das war immer so, das wird immer so bleiben. Alemannia Aachen, das sind Höhen und Tiefen, jahrzehntelang. Mehr Tiefen, klar, aber die seltenen Höhen dafür hochhaushoch. Die spektakuläre Bundesligasaison 1968/69, die mit einem Auftaktsieg beim damaligen Meister Nürnberg mit 4:1 (Jupp Martinelli!) begann und mit dem zweiten Tabellenplatz hinter Bayern München endete. Natürlich in der folgenden Saison der Abstieg. Jahre in der Zweiten Liga, immer kurz vor dem Auf- oder Abstieg. 1990 war es soweit, erneuter Abstieg ins Amateurlager. Trotz des als Retter geholten Trainers Mustafa „Ich-bleibe-immer-ein-Alemanne“ Denizli, der für Multi-Kulti-Freudenfeste auf dem Tivoli sorgte und dafür, daß Alemannia Aachen von 5000 türkischen Zuschauern bei einem Spiel gegen Hertha im Berliner Olympiastadion unterstützt wurde. Denizli wurde gefeuert, die Mannschaft gefeiert: Die Fans veranstalteten eine vorweg genommene Aufstiegsfeier.

    Nach Jahren in der Regionalliga, die häufig mit dem zweiten oder dritten Tabellenplatz endeten, endlich der Aufstieg 1999 – fünf Tage nach dem tragischen Tod von Trainer Werner Fuchs, eines der tiefsten Tiefs und höchsten Hochs der Vereinsgeschichte.

    Fußballexperten aufgepaßt! Die Kopfnuss des Westens. Wo versteckt sich in diesem Foto von Alemannia Aachen der legendäre Jupp Derwall? Und bitte unbedingt beachten und bewundern: dieser unglaubliche Halsausschnitt des Trikots, der ordentliche und echte Männerbrustbehaarung zur Ansicht freigibt. Heutzutage ist sowas undenkbar!

    Alemannia Aachen, das ist kein guter Fußball. Aber das ist Tragik, Euphorie und Wahnsinn. Das ist Fußball von vorgestern, Fußball für die Seele. Das ist Gänsehaut, volksnah, jenseits aller millionenschweren Coolness. Und das ist Kampf. Wühlen, rackern, grätschen. Nicht umsonst war einer der Volkshelden der 80er Jahre Günter „Preßschlag“ Delzepich, Zweimetermann und Kartoffelkäfer durch und durch.

    Bei einem der Heimspiele der letzten Saison, auf der Stehplatztribüne. Neben mir eine ganz in schwarz-gelb gehüllte, nicht mehr ganz so junge Frau, offensichtlich zum ersten Mal auf dem Tivoli. Jedenfalls bekam sie von ihrem Begleiter die jeweiligen Rituale erklärt: „Wenn der da rechtsaußen an den Ball kommt, rufen wir immer Williiiiiiiiiiiiiii!“ – „Ist der so gut?“ – „Na ja, der ist eine Kampfsau.“ Worauf sie, Groschen gefallen, ihn strahlend ansah: „Ach, ein Kartoffelkäfer?!“

    REUTER am 20.08.

    Wiederauferstanden

    Als Symbol für die wiederauferstandene Alemannia wurde in dieser Saison das traditionelle schwarz-gelb-gestreifte Kartoffelkäfer-Trikot, Markenzeichen schon in den 50er Jahren, neu aufgelegt. Irgendwie mißraten. Viel kartoffelkäferiger ist da das neue Trikot von – ausgerechnet – Borussia Dortmund. Die machen sich doch lächerlich, identitätslos, wie die mittlerweile sind! Da sieht jetzt Heiko Herrlich aus wie, sagen wir, Jupp Derwall im Alemannia-Trikot beim Pokalendspiel 1953 gegen Rot-Weiß Essen (übrigens, na klar: 2:1 für RWE).

  3. Franz Wirtz // 19. Juli 2016 um 22:43 // Antwort

    Trommelwirbel und „a le hopp“ …

    Eine Garantie für die Ewigkeit
    Solange das Interessen-Gespann Philipp / Höfken sich an den „zentralen Schaltstellen der Macht“ halten kann, sieht´s für den wehrlosen Steuerzahler in Sachen Tivoli-Geldverschwendung weiterhin „zappenduster“ aus.

    „Wer hat den Bock zum Gärtner gemacht?“
    Blöde Frage – wahrscheinlich er sich selbst. Die beiden – in Sachen Tivoli – völlig „Schmerzbefreiten“ des Rates der Stadt Aachen – der Oberbürgermeister Marcel Philipp und besagter Heiner Höfken – Aufsichtsratsvorsitzender der Aachener Stadion Beteiligungsgesellschaft mbH. Um deren Wirken in Bezug auf die Alemannia auch nur annähernd würdigen zu können, müsste einem erst ´mal ein passender Vergleich in den Sinn kommen. Ich kenne keinen, eventuell schaue ich einmal in einer Auflistung der „biblischen Plagen“ nach, das klingt jedenfalls ansatzweise so, als ließe sich was annähernd Vergleichbares finden.

    Hin und wieder wird´s peinlich
    Selbstverständlich bevorzugen beide den Arbeitsstil „still und heimlich“ aber trotz aller Vorsicht, hin und wieder fällt man trotzdem auf:

    Der eine mit seinen katastrophalen Vorhersagen: „Unter Abwägung der Risiken bin ich deutlich für die Lösung, weil sie eine realistische Chance bietet, dass hier noch in 20 Jahren Profifußball gespielt wird“, hatte OB Marcel Philipp anlässlich der so genannten Umfinanzierung, acht Monate vor der Insolvenz des Klubs, sich klar positioniert. Ob er sich nach deren „überraschenden“ Insolvenz von der Alemannia belogen fühle, mochte Philipp nicht sagen: „Zu dieser Gefühlslage äußere ich mich nicht.“

    Wieso sollte er auch überrascht sein, die Mail von Aufsichtsratsmitglied Horst Rambau hatte ihn schließlich bereits viele Monate vorher in Kenntnis gesetzt? Dummerweise in einer Phase, in der alle bemüht waren den Ahnungslosen zu mimen. Dass erklärt, warum „der Schuss“ aus dem Rathaus kam (Friendly Fire), dem Horst Rambau zum Opfer fiel.

    Der andere bekennende „glühende“ Anhänger der Alemannia fällt eher mit seinem philosophischen Grundverständnis auf: Heiner Höfken hat wie alle seine Kollegen der SPD dem 45,7 Millionen € teuren Kredit zugestimmt und selbst dann noch verteidigt, als längst klar war, dass man angeblich immer nur „belogen und betrogen“ worden war. „Ich halte die Entscheidung, aufgrund der vorgelegten falschen Zahlen, für richtig“, so sinngemäß sein später geäußerter Rechtfertigungsversuch.

    Aktuell läuft bekanntlich ihr neuestes Projekt: Die Renovierung der bereits heruntergekommenen Schuldenschüssel an der Krefelder Straße:

    Ziel 1: – Das Beseitigen von 365 gelisteten Mängeln (gibt´s wahrscheinlich demnächst als Abreißkalender im Fan-Shop) und

    Ziel 2 : – Das Ganze so aussehen zu lassen, als ob es „nichts“ koste. Entsprechend „optimistisch“ haben sich beide bereits öffentlich geäußert. Die Fachkräfte wurden von anderer Stelle einfach abgezogen.

    Aber, der springende Punkt kommt ja noch, ich bin mir sicher, beide „laufen bereits wieder auf Hochtouren“ um ihrem Liebling, der Alemannia, „das Bettchen anzuwärmen“, denn schließlich ist die aktuelle Diskussion um den Einstieg eines möglichen Investors beim Traditionsverein nur hohles Palaver, solange nicht feststeht, welche Miete demnächst aufzubringen ist. Ich kenne die zu vermutende Begründung für weitere Zugeständnisse zu Lasten des städtischen Haushalts nicht im Detail, erahne aber, dass diese „Chance“ ohnehin als „alternativlos“ dargestellt wird.

    Angeblich werden die Alemannia-Mitglieder im September wieder einmal zur „ganz großen Entscheidung“ eingeladen. Bei der letzten ordentlichen Jahreshauptversammlung haben sich, wenn ich das richtig mitbekommen habe, ganze 5 % eingefunden. Und diesem „erbärmlichen Häuflein Elend“ fiel nichts besseres ein, als dem „Versager-Team-2018“ ein „Ermächtigungsgesetz“ auszustellen, dass den mehrheitlichen Verkauf von GmbH-Anteilen genehmigt.

    Nicht auszudenken was passiert, wenn die übrigen 95 % erscheinen würden, um ihre Meinung hierzu kundzutun oder, noch besser, wenn auch nur 5 % der Aachener Bevölkerung beim Rat der Stadt einmal „anklopfen“ würden, um ihre Sicht der Dinge darzulegen.

  4. Franz Wirtz // 1. Juli 2016 um 13:05 // Antwort

    Woraus leiten Amateure ein „Recht auf Profifußball“ ab?

    Heiliger Strohsack, das was bisher zu lesen war, über die ordentliche Jahreshauptversammlung der Alemannia, ist gleichermaßen er- wie abschreckend:

    Die Mitglieder genehmigen dem Vorstand sein „Ermächtigungsgesetz“

    Dem „Versager-Team 2018“ ist es tatsächlich gelungen einen eingereichten Antrag auf eine Beschränkung (49,9 %) der gegebenenfalls zu veräußernden Anteile an der GmbH so umzudrehen, dass sie jetzt sogar eine Freigabe dafür erhalten haben, ihren gesamten Trödelladen restlos zu verhökern. Ein beispielloser Akt von Selbstverstümmelung. Man weis wirklich nicht, was man mehr bewundern soll, diese unglaubliche Dreistigkeit des Vorstandes und des Versammlungsleiters oder die scheinbar uferlose Begriffsstutzigkeit aller anwesenden Alemannia-Mitglieder? Die Tatsache, dass die Führung der GmbH, ohne jede Legitimation seitens des Muttervereins, sich auf die Suche nach Käufern gemacht hat, hätte man ihr als vereinsschädigendes Verhalten vorwerfen und sie entsprechend scharf maßregeln sollen.

    Lizenz zum Töten
    Der unsichtbare Vereinsvorsitzende des e.V. hätte längst „mit der Axt dazwischen hauen“ müssen, schließlich wurde er nicht dazu gewählt, tatenlos zuzusehen, wie sein Verein systematisch filetiert wird. Ausgerechnet durch einen unzulässig umformulierten Antrag besorgter Mitglieder „verpissen“ sich jetzt die gescheiterten Super-Experten und entziehen sich diesbezüglich ihrer Verantwortung, frisch ausgestattet mit der „Lizenz zum Töten“.

    „Fußball ist kein Schach“,
    – wusste bereits Sepp Maier und hat scheinbar noch weniger mit Intelligenz zu tun, als ohnehin schon zu befürchten war. Das Team 2018 ist mit seinen großspurigen Ankündigungen vollständig gescheitert, aber anstatt über die selbst verschuldeten Fehler und die hieraus abzuleitenden Konsequenzen zu beraten, beschleunigen sie ihren eigenen Größenwahn und den vieler Mitglieder zusätzlich noch und verarschen die Vereinsmitglieder gleich mit ihrer nächsten Vorhersage, dass es – ohne Investoren – mit Profi-Fußball in Aachen für die nächsten Jahre garantiert „vorbei“ wäre. Sie stellen sich somit selbst als völlig unfähig dar, genau das zu erreichen, was sie bei ihrer Wahl versprochen hatten und weswegen sie überhaupt gewählt wurden.

    Echte Fans oder doch nur Maulhelden, Möchtegerne und Schmarotzer?
    Ich war selbstredend nicht dabei und füge lediglich einen Flickenteppich an einzelnen Kommentaren zusammen, aber einem großen Teil der Vereinsmitglieder scheint es völlig gleichgültig zu sein, „woher die Kohle kommt“. Kam sie früher – und kommt selbstverständlich auch immer noch – von der Stadt Aachen, soll sie in Kürze zusätzlich noch von wildfremden Investoren kommen.

    „Scheiß‘ der Hund ‚drauf“
    – einem Teil von ihnen ist dies völlig gleichgültig, Hauptsache, sie können sich dem Profifußball verbunden fühlen. Aber mit solch einer erbärmlichen Einstellung erweisen sich weder ihr Vorstand, samt aller Gremien und Aufsichtsräte, noch die angeblich treuen Fans auch nur im Entferntesten weder als profi- noch als vorbildhaft. Es entsteht stattdessen der Eindruck von großspurigen Maulhelden, Möchtegernen und immerwährenden Schmarotzern. Sie wollen ihren Aufstieg nicht mühsam erkämpfen, sie wollen ihn einfach kaufen. Bezahlen soll das alles ausgerechnet der eingetragene Verein, – ihre „eigene Mutter“ sozusagen, – der sie hemmungslos „das Messer an den Hals setzen“.

    Ein Teil der Fans bemerkt nicht, dass sie mit ihren Anforderungen immer tiefer sinken und mittlerweile schon, was die Moral angeht, auf dem Niveau rauschgiftsüchtiger Stricher angekommen sind. Solch bedauernswerten Randgruppen der Gesellschaft haben, aufgrund ihrer Abhängigkeit und mangels jedweder Perspektive, jeden eigenen Anspruch an sich selbst abgelegt und versuchen auf diese Art einfach zu überleben. Dass die Fans ihr Verhalten damit gutheißen, weil sie „demnächst garantiert wieder aus dem Dunkel ins Licht geführt werden und selbstverständlich alle gemachten Schulden mit Zins- und Zinseszins zurückerstatten können,“ entspricht der gleichen Logik, wie die Hoffnung der Rauschgiftsüchtigen, „morgen mit dem ganzen Scheiß‘ wieder aufhören zu können.“

    Sie ertrinken förmlich in ihrem Selbstmitleid
    Für die Not von Rauschgiftsüchtigen kann ich ohne weiteres tiefes Mitgefühl aufbringen, während mir das Wehklagen einiger Alemannia-Fans vergleichsweise albern vorkommt. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich deren Gejammer als pures Selbstmitleid.

    Einzelne Fans durchschauen glücklicherweise das absurde Theater

    tivolino (Foren-Guru im Alemannia-Brett Forum)
    Zitat von hemingway: Das meine ich ja. Noch haben wir uns nicht zu 80 % (unglaublich) verscherbelt, noch kann es verhindert werden. Und das können nur Mitglieder tun!

    Vielleicht hilft die Stadt uns ja ein wenig dabei. Wie Laven gestern am Rande andeutete, werde „kein Investor einen Stadionmietvertrag akzeptieren, der ihm nicht dauerhaft so gute Konditionen (wie jetzt)“ garantiere.

    Diese interessante Frage scheint eine der vielen Kühe zu sein, die man noch vom Eis holen muss – und ich bin sehr gespannt, ob die am Rande des Nothaushalts wandelnde Stadt Aachen den Tempel auch dann noch zum Spottpreis vermieten wird, wenn sie es plötzlich mit Mietern zu tun bekommt, die bei der Alemannia anders als die jetzige GmbH (100-prozentige Tochter eines gemeinnützigen e.V.) ganz unverhohlen, offenkundig und vorrangig reine Profit-Interessen verfolgen.

    Das ganze Subventionskonstrukt rund um den Tivoli ist angesichts der städtischen Haushaltslage schon jetzt rechtlich grenzwertig. Wenn die GmbH nun auch noch praktisch komplett vom Verein getrennt und mehrheitlich in die Hände privater Finanzjongleure gegeben wird, dürften es für die Ratspolitiker noch schwieriger werden, die hohen Zuschüsse und die extrem niedrige Miete, die nicht mal zehn Prozent der Kosten deckt, politisch vor den Wahlbürgern und juristisch vor den Aufsichtsbehörden zu rechtfertigen.

    Also, liebe Ratsherren und -frauen: Überlegt euch bitte ganz genau, ob ihr bei gemeinnützigen Einrichtungen den Rotstift ansetzen und der von Multimillionären getragenen Gier-Firma Kölmel, Baumgarten & Co. (ehemals Alemannia Aachen GmbH) gleichzeitig als Hauptbetriebsstätte eine städtische Immobilie fast für lau zur Verfügung stellen und dazu auch noch die Sanierungskosten übernehmen wollt.

    PS:
    Eine meiner Quellen:

    AIXtremist (Foren-Legende im Alemannia-Brett)

    Zitat von easy:
    >>> Fast schon zum Schluss sollte über den Mitgliederantrag, von welchem weiter oben bereits die Rede gewesen ist, abgestimmt werden. Das Präsidium hat hierzu in Person von Oliver Laven angemerkt, dass der Antrag eigentlich formal nicht ganz so korrekt sei (Frage: warum wurde er dann zugelassen?), und drehte in der Folge den Spieß um und hat die weiteren Verhandlungen mit den möglichen Investoren davon abhängig gemacht, dass die Mitglieder heute mehrheitlich zustimmen, dass das Präsidium/der AR bei den Gesprächen über den Verkauf von mehr als 50 % verhandeln darf. Darauf zog der initiierende Antragsteller Teil 1 des Antrages zurück und alles schien paletti. Doch dann bestand das Präsidium darauf, über genau den gesamten Antrag – also auch Teil 1 – abzustimmen (das hatte was von der üblichen Erpressernummer). Es folgte erneute ein schlechtes standing des VR Vorsitzenden, der hierüber mal eben so en passant abstimmen wollte. Auf Antrag und starkem Votum eines Ultravertreters wurde dann geheim abgestimmt. Im Ergebnis reichte es für den Wunsch des Präsidiums, weitere Verhandlungen führen zu können auch wenn über den Verkauf von mehr als 50% gesprochen wird. Und dann meldete sich Herr Reimig noch mal zu Wort. Er beklagte das schlechte Ergebnis der Entlastung des Präsidiums und agierte dann in seiner Wortwahl etwas „unglücklich“ worauf die Stimmung hoch kochte. <<<

    Zum ersten fett markierten Teil: du hast dir die Frage ja schon selbst beantwortet. Das war genau die Steilvorlage für die Gremiker, hatte ich Didi auch gesagt. Von 53 Unterschriften auf dem Antrag sollen eben ein paar dabei gewesen sein, welche aufgrund nicht gezahlter Mitgliedsbeiträge nicht gegolten haben sollen, warum die nötigen 50 Stimmen nicht vorhanden waren. Aus "Kulanz" aber hat man den Antrag genommen, da man aus Alemannia Sicht eben die Investoren-Sicht eingenommen hat und wusste: statt vorher den Antrag abzulehnen nehmen wir die Antragsteller eben vor allen Anwesenden fein auseinander und holen uns somit eben die Stimmen, den Antrag gesamt abzulehnen. Erpressung par Excellence in ganz starker Vorbereitung war das, Respekt dafür.

    Als dann der Antrag, der ja aus 2 Teilen bestand, vom Initiator gesplittet werden sollte, hiess es erst von oben: OK, dann nehmen wir Punkt 1 aus dem Antrag raus und stimmen nur über den 2. Punkt ab. Dann kam wieder Herr Fröhlich vom VR und sagte: Nein, gesamter Antrag muss sein, auch wenn dieser aus 2 Teilen besteht. Daraufhin Tumulte (außer vom Stimmvieh vorne – wie immer eigentlich) und man merkte auch oben, dass die Stimmung nach dieser Erpressung zu stark kippte und schwenkte wieder um und hat beide Punkte einzeln abgestimmt mit für uns "zufriedenstellendem" Ergebnis. Und auch für die Herren oben ein denke ich guter Kompromiss. Aber man kann bei jeder Mitgliederversammlung die Uhr danach stellen, wann die Abstimmungen und Wahlen ihren absurden Punkt erreichen und man eben husch husch die Hände hoch abstimmen will.

    Danke hier an Max, dem ich einfach unterstelle, dass er da ein gutes Auge drauf hat was den Wahlausschuss angeht und es dort alles bei der Auszählung der Zettel rechtens lief! Man muss auch einfach mal weiter denken: warum genau wirbt man so sehr für die Invesotrenlösung? Könnte da nicht auch das berühmte "Kopf aus der Schlinge ziehen" bei mitspielen? Es wurde schon durch Steinborn VOR dem TO der Investment Infos so stark bei seiner Rede für das Investorenmodell geworben, auch Herr Laven hat mit einer schauspielerischen Glanzleistung deutlich gezeigt, dass er, wenn er ja auch sagt, dass das Wort "alternativlos, wie es eine Kanzlerin nutzt" nicht in den Mund nehmen will, nur diese Lösung sieht, wenn es kurz-/mittelfristig wieder hoch gehen soll.

    PPS:
    Das Vereinsrecht

    Laut Vereinsrecht muss mit der Einladung auch mitgeteilt werden, ob und wenn ja, welche Anträge zur Hauptversammlung vorliegen. Allen Mitglieder muss es möglich sein, aufgrund dieser Information zu entscheiden, ob ein Besuch der JHV für sie wichtig erscheint, oder eben nicht. Eine spätere Hinzunahme weiterer Anträge oder eine wesentliche Änderung vorliegender Anträge ist demnach nicht statthaft und kann entsprechend angefochten werden.

    § 32 Abs. 1 Satz 2 BGB

    Auszug: Vereinsinfobrief 241

    Anträge bei der Mitgliederversammlung
    Die Behandlung von Anträgen bei der Mitgliederversammlung ist eine sensible Angelegenheit. Fehler können zur Ungültigkeit von Beschlüssen führen. Das Antragsrecht ist nicht an das Stimmrecht gebunden. Regelt die Satzung es nicht ausdrücklich anders, dürfen auch Mitglieder Anträge stellen, die nicht stimmberechtigt sind.

    Anträge vor der Versammlung
    Aus der BGB-Regelung, dass die Mitteilung der Tagesordnung bereits mit der Einladung zur Mitgliederversammlung (MV) geschehen muss, folgt, dass mit der Einladung zur Versammlung eine Sperre für die Aufnahme weiterer Beschlussgegenstände eintritt. Anträge zur Tagesordnung mit Beschlussfassung müssen also vor der Einberufung vorliegen. Grundsätzlich – nach dem BGB – gilt sogar, dass eine Abänderung der Tagesordnung nach ihrer Bekanntgabe bei der Einladung nicht mehr möglich ist.

    Anträge zur Tagesordnung, die rechtzeitig vor Benachrichtigung der Mitglieder eingehen, muss der Vorstands grundsätzlich auf die Tagesordnung nehmen, wenn sie sachlich angemessen sind und nicht schon früher behandelt wurden. (…)

    In vielen Vereinsatzungen finden sich Regelungen, die es ermöglichen, die bei der Einladung zur Mitgliederversammlung vorgelegte Tagesordnung zu ergänzen. Das bedeutet aber nicht, dass dazu auch gültige Beschlüsse gefasst werden können. Die Satzung müsste da schon ausdrücklich und eindeutig klarstellen, dass abweichend von der BGB-Vorschrift auch über nachträglich ergänzte Tagesordnungspunkte abgestimmt werden kann. Auch hier gilt aber – jedenfalls wenn es sich um Satzungsänderungen handelt – dass die Tagesordnungspunkte so rechtzeitig vor dem Zusammentritt der Mitgliederversammlung mitgeteilt werden, dass genügend Zeit zu einer sachgerechten Vorbereitung bleibt. Das gilt grundsätzlich auch für eilbedürftige Angelegenheiten.

    Erlaubt die Satzung keine spätere Ergänzung der Tagesordnung, können (und müssen) die Themen natürlich auf der Mitgliederversammlung diskutiert und beraten werden. Gültige Beschlüsse können dazu aber nicht erfolgen. Natürlich kann die Mitgliederversammlung den Vorstand aber anweisen, den entsprechenden Tagesordnungspunkt auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen.

    Sachanträge
    Nach § 32 BGB ist Gültigkeit eines Beschlusses erforderlich, dass der Gegenstand bei der Einberufung der Mitgliederversammlung bezeichnet wird. Die bei der Einladung benannten Tagesordnungspunkte können also im Kern nicht abgeändert werden. Etwas anderes gilt nur, wenn die Satzung Beschlüsse über nachträgliche Ergänzungen zur Tagesordnung ausdrücklich erlaubt oder alle Mitglieder des Vereins zustimmen. Die bloße Möglichkeit Anträge zur Tagesordnung zu stellen, genügt dieser Anforderung aber nicht. Meist erlaubt die Satzung auf diese Weise nur eine Debatte, aber keine wirksame Abstimmung.

    Alle Sachanträge müssen deswegen in einem engen Zusammenhang mit einem angekündigten Tagesordnungspunkt stehen. Ergänzende oder einschränkende Anträge sind möglich. Sie müssen aber in einem sachlichen Bezug zum Hauptantrag stehen. Fehlt dieser Bezug zum jeweiligen Tagesordnungspunkt, darf der Versammlungsleiter dazu nicht abstimmen lassen. Möglich sind aber Sachanträge, die nur der Beratung oder der Auskunft dienen.

    Verfahrensanträge
    Anträge zum Verfahrensablauf können dagegen ohne Ankündigung in der Tagesordnung gestellt und behandelt werden. Sie können von jedem stimmberechtigten Mitglied gestellt werden, wenn die Satzung dazu keine Einschränkungen macht (z. B. indem sie eine Mindestzahl von Unterstützern verlangt).

    Zu den Verfahrensanträgen gehören:
    – Anträge zur Tagesordnung, z. B. zur Änderung der Reihenfolge oder zur Zusammenlegung von Tagesordnungspunkten
    – Anträge zur Geschäftordnung, z. B. auf Redezeitbegrenzungen, Schluss der Rednerliste oder Vorgaben für die Versammlungsleitung
    – der Antrag auf Einberufung einer weiteren Mitgliederversammlung, etwa wegen Beschlussunfähigkeit.

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