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Was tun, wenn’s brennt?

Meinung

Ein Fan bleibt ein Fan – auch, wenn es mal schlecht läuft. Die Alemannia macht es einem aber gerade besonders schwer. Weil man nicht so tun kann, als wäre nichts gewesen.

tivoli aachen foto stefan follmer Die Alemannia steht einmal mehr vor dem Abgrund. Foto: Stefan Follmer

Von Marcus Erberich

Es gab eine Zeit, in der ich schon ein, zwei Tage vor den Spielen der Alemannia nervös wurde. Der Gegner war mir dabei gar nicht so wichtig, auch nicht die Liga, in der wir gerade spielten. Hauptsache Heimspiel, Tivoli und allez!

Wie bei wahrscheinlich jedem Fan, hat das Ausmaß meiner Hingabe für die Alemannia Höhen und Tiefen erlebt. Immer schon. Mal hat es nun mal mehr Spaß gemacht, die Alemannia beim Fußballspielen anzufeuern, und mal weniger. So weit, so normal. In der Saison 2014/15 erlebte ich zum Beispiel ein Hoch. Vierte Liga? Egal! Gegner, die Hennef, Kray und Wiedenbrück heißen? Gib her! Man konnte sehen, dass bei der Alemannia etwas wuchs, das funktionierte. Mir hat das gereicht. Und heute?

Es ist eine Menge passiert. Peter Schubert – immerhin Vizemeistertrainer der Vorsaison – verließ den Verein wegen bis heute undurchsichtiger Spannungen mit der sportlichen Leitung. Ihren Gipfel fand diese Posse, als zuerst Alexander Klitzpera und danach Schubert ihren Unmut lieber zur Lokalpresse trugen, statt die Probleme intern zu klären*.

Christian Benbennek wurde als neuer Trainer an den Tivoli geholt – und nur ein halbes Jahr später einvernehmlich wieder von seinen Aufgaben freigestellt, weil der erhoffte Erfolg ausblieb und Benbennek Teile der Mannschaft mit seiner Art des Umgangs offenbar gegen sich aufgebracht hatte. Im Winter dann das unwürdige Theater um die Suspendierung der angeblichen Wortführer gegen Benbennek und Klitzpera – Löhe, Hackenberg und Müller –, verdiente Stammspieler, die heute zum Teil schon für andere Vereine die Fußballschuhe schnüren.

Garniert wurde das Ganze durch den handgreiflichen Streit zwischen Alexander Klitzpera und Ex-Jugendtrainer Harald Heinen, dessen Klärung nunmehr Sache der Justiz ist. Ein bisschen Klömpchensklub gehört zum Leben als Alemannia-Fan zwar dazu – das ist Teil des Pakets. Aber die letzten Monate waren des Schlechten doch etwas zu viel.

Fuat Kilic ist der neue Trainer von Alemannia Aachen.

Bei all dem Getöse geriet der Start ins Pflichtspieljahr 2016 für mich zur Nebensache. Wen oder was sollte ich anfeuern? Alles wie immer? Das fiel schwer, denn auch das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft war arg ramponiert, seit das Team nach dem Heimsieg gegen Ahlen kurz vor Weihnachten entschieden hatte, direkt nach dem Abpfiff in die Kabine zu gehen, statt sich wie üblich von den Fans zu verabschieden.

Dass die Alemannia beim Auswärtsspiel in Gladbach Ende Januar nach einer guten halben Stunde mit 0:2 in Rückstand lag, löste in mir umso mehr den Wunsch aus, den Rest der Saison einfach vorzuspulen und im Sommer bei Null anzufangen. Aber die Mannschaft gab nicht auf und erkämpfte sich mit großem Einsatz noch ein 2:2-Unentschieden. Und ich dachte so bei mir: Immerhin hat die Truppe Charakter. Und ich spürte, dass mir der Rest der Saison doch nicht so egal war, wie ich es mir selber einredete. Das Gefühl verstärkte sich durch den 1:0-Sieg gegen Oberhausen wenige Wochen später – auch, wenn die Leistung der Mannschaft zum Teil zu wünschen übrig ließ.

Mich stellt das vor ein Dilemma. Eigentlich bin ich von allem, was passiert ist, dermaßen genervt, dass ich kaum noch Lust auf die Alemannia habe. Aber gleichzeitig bin ich zu sehr Fan dieses Vereins, um so zu tun, als würden mich diese zwei vielversprechenden Spiele kalt lassen. Auf der einen Seite befürchte ich, dass die Alemannia von ihrer aktuellen Führungsetage einmal mehr gegen die Wand gefahren wird. Auf der anderen Seite möchte ich dieses Gefühl wieder haben, dass mir alles andere egal wird, wenn die Alemannia auf dem Rasen um jeden Grashalm kämpft. Wie früher: Heimspiel, Tivoli und allez.

Am Sonntag kommt Dortmund II nach Aachen. Der Alltag in der Regionalliga West holt den Tivoli ein, während es hinter den Kulissen noch immer brennt. Ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll. \

* Wir wurden darauf hingewiesen, dass zwei Wochen vor dem ersten großen Zeitungs-Interview mit Alexander Klitzpera, Trainer Peter Schubert bereits seinen Unmut in der Öffentlichkeit über das vorliegende Angebot zur Vertragsverlängerung kundtat. Das erste Zeitungs-Interview von Klitzpera war dabei die Reaktion auf eine von Schubert nicht beachtete interne Fristsetzung, die geäußerte Stellungnahme öffentlich richtig zu stellen.

LINK: Die Wintervorbereitung der Alemannia

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6 Kommentare zu Was tun, wenn’s brennt?

  1. dito

  2. Ein Fehler hat sich eingeschlichen: Zuerst trug Klitzpera seinen Unmut zur Zeitung und dann verteidigte sich Schubert öffentlich gegen die Vorwürfe.

  3. Aufn Punkt, dübbele mercie!

    alemannia- liebe in den zeiten der cholera
    #14

  4. Dieter Lübbers // 26. Februar 2016 um 10:29 // Antwort

    Sehr gut die Gefühlslage des „schon immer und Für-Immer-Alemannia-Fans“ beschrieben

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Zehn Dinge, die in der Saison 2015/16 total GEIL waren – Ueberdachte – Fußball-Fanzine aus Aachen
  2. Immer mit der Ruhe – Ueberdachte – Alemannia Aachen Fanzine

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