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Kilic trifft den richtigen Ton

Die ersten Tage des neuen Trainers

Fuat Kilic ist der neue Alemannia-Coach. Seine Aufgabe als „undankbar“ zu bezeichnen, ist noch untertrieben. Erstaunlich, wie lustvoll er in seinen ersten Tagen in Aachen auftritt!

Von Marcus Erberich

Nun also Fuat Kilic. Am Silvesterabend – früher, als die meisten Fans es erwartet haben – präsentierte Alemannia Aachen seinen neuen Cheftrainer. Kilic hat am Tivoli einen Vertrag bis 2017 unterschrieben. Erfahrung hat er unter anderem als Trainer des Regionalliga-Südwest-Vereins 1. FC Saarbrücken gesammelt, mit dem Klub schaffte er es in der Saison 2014/15 bis in die Aufstiegsrelegation. Dort scheiterte die Mannschaft im Elfmeterschießen knapp, Kilic verließ Saarbrücken daraufhin auf eigenen Wunsch.

Seine neue Aufgabe, nämlich Alemannia Aachen nach dem – sagen wir – turbulenten Jahresausklang 2015 sportlich wieder in die Spur zu bringen, ist von außen betrachtet eher undankbar. Die Mannschaft dürfte nach den Suspendierungen der angeblichen Wortführer gegen Christian Benbennek verunsichert sein. Noch immer steht zudem der Verdacht im Raum, dass sich das Team in seinem dubiosen Brief an den Aufsichtsrat auch gegen Sportdirektor Alexander Klitzpera ausgesprochen hat – den Mann, der jetzt Fuat Kilic verpflichtet hat. Und sogar zwischen Fans und Mannschaft gibt es Knatsch, seit sich die Spieler nach dem Heimsieg gegen Ahlen im letzten Spiel vor der Winterpause dafür entschieden hatten, direkt in die Kabine zu gehen, statt sich gemäß der Tradition vom Anhang zu verabschieden.

Auf den Punkt: Es gibt für einen Trainer sicher angenehmere Grundvoraussetzungen, um bei einem neuen Verein den nächsten Schritt in der Karriere zu wagen. Überzeugt haben dürfte Kilic nicht zuletzt der noch immer klangvolle Name der Alemannia; den „Aachener Nachrichten“ sagte er: „Für mich ist es eine große Herausforderung und Motivation, bei so einem Verein mit solch einer Geschichte und Fankultur arbeiten zu dürfen.“ Und gegenüber „Reviersport“ schwärmte er: „Ich bin begeistert. Das Stadion ist sensationell. Man spürt hier am Tivoli bei jedem Schritt, welch großer Klub die Alemannia ist.“ Das Tohuwabohu um die Personalie Benbennek sieht er laut eigener Aussage nicht als Grund zur Sorge, damit habe er ja nichts zu tun gehabt.

Überhaupt trifft Fuat Kilic in seinen ersten Tagen als Alemannia-Trainer den richtigen Ton. In Interviews mit der lokalen und überregionalen Presse betonte er mehrfach, er wolle eine Mannschaft formen, die ihren Gegner dominiert. Der „AN“ etwa sagte er: „Diese Gier, diese Leidenschaft, dieses Jagen, das schnelle Umschalten nach Ballgewinnen“, wie er es zum Beispiel im Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen gesehen habe, wolle er wieder stärker herausarbeiten – „die Mannschaft kann es, darum kann man es verlangen.“ Ein Satz, bei dem man sich am liebsten über den Wellenbrecher lehnen und die Spieler in den nächsten Zweikampf brüllen möchte.

Christian Benbennek Ex-Trainer Alemannia Aachen

Konnte sich in Aachen nicht lange halten: Ex-Alemannia-Trainer Christian Benbennek.

Für seine Spieler will Kilic dabei nicht nur der autoritäre Fußballlehrer sein – mit diesem Ansatz hatte es sein Vorgänger Benbennek versucht –, sondern bis zu einem gewissen Punkt auch ihr Kumpel. „Ich bin sehr kommunikativ und die Spieler können immer zu mir kommen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. Ich will einen ehrlichen, vertrauensvollen Umgang mit der Mannschaft pflegen. Das ist wichtig für den Erfolg“, zitiert ihn „Reviersport“. Vertrauensvoller Umgang, damit meint er auch, dass er auf dem Platz keine Alibi-Aktionen mehr sehen will, sondern aufrichtige Arbeit, auf die sich der Rest des Teams stets verlassen kann.

Bei aller Freundschaft nimmt Kilic aber auch jeden einzelnen in die Pflicht. Im „RS“-Interview sagt er weiter: „Klar ist aber auch, dass es Regeln gibt. Wenn diese gebrochen werden, dann steht ja im Strafkatalog schwarz auf weiß, was bezahlt werden muss. Damit kann die Mannschaft ihre Abschlussfahrt oder ihre Team-Abende finanzieren.“ Und den „Aachener Nachrichten“ diktierte er: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle Angestellte des Vereins sind, die auch Pflichten haben. Wir fangen alle bei Null an, jeder kann zeigen, wie er sich für diesen Verein einsetzt.“

Am Ende ist es wie immer im Fußball: Entscheidend is auf’m Platz. Wie sich Fuat Kilic in der Praxis als Trainer von Alemannia Aachen schlägt, das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Eins hat er aber schon jetzt geschafft: Mit seinen Äußerungen in der Presse hat er Spannung erzeugt, bei manchen Fans – sicher nicht bei allen! – vielleicht sogar ganz leisen Optimismus. Schon beachtlich, wenn man sich vor Augen führt, in was für einer Zeit er am Tivoli angeheuert hat. \

LINK: Aufgaben für die Winterpause

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Ein Kommentar zu Kilic trifft den richtigen Ton

  1. Heinrich Jung // 16. Januar 2016 um 12:35 // Antwort

    Die ALEMANNIA und AACHEN sollten wieder leuchten!

4 Trackbacks / Pingbacks

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