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Wiedersehen mit ungleichen Voraussetzungen

Rot Weiss Ahlen im Check

Zum Auftakt reist Alemannia Aachen zum Aufsteiger aus Ahlen. Was kann die Mannschaft des Gastgebers? Besonders gefährlich ist ein Rückkehrer aus der Türkei.

Von Marcus Erberich

  • Der Verein

Wenn einem schon zu Beginn eines Textes nicht das richtige Wort für etwas einfallen will, dann ist das meistens kein gutes Zeichen. Aber Rot Weiss Ahlen macht es einem auch wirklich nicht leicht. Denn um die jüngste Vergangenheit des Klubs mit einem Begriff zu beschreiben, reicht das Wort „bewegt“ nicht aus. Dazu braucht man deftiges Vokabular.

Der ehemalige Zweitligist kachelt seit zehn Jahren über eine Piste voller Schlaglöcher und Buckel – ohne Stoßdämpfer und Servolenkung. Das Drama im Telegrammstil: Abstieg aus der zweiten Bundesliga nach sechs Jahren am Ende der Saison 2005/2006 +++ Rückzug des Präsidenten Helmut Spikker und seiner Firma LR International als Hauptinvestor +++ Umbenennung des Vereins von LR Ahlen in Rot Weiss Ahlen +++ Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga nach zwei Jahren in der drittklassigen Regionalliga Nord +++ Abstieg nach zwei Jahren in die neu gegründete dritte Liga +++ Nach einer Saison Zwangsabstieg in die fünftklassige NRW-Liga nach Insolvenzverfahren +++ Sportlicher Abstieg aus der NRW-Liga in der Saison 2011/2012 +++ Verbleib in der Fünftklassigkeit wegen der Auflösung der NRW-Liga +++ drei Jahre Oberliga Westfalen +++ Aufstieg in die Regionalliga West in der Saison 2014/2015.

Dagegen wirkt das, was man als Fan der Alemannia in den letzten Jahren durchmachen musste, beinahe wie eine Hot Stone Massage.

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  • Die Mannschaft

Im Aufgebot von Rot Weiss Ahlen sucht man nach großen Namen vergebens. Im Interview mit Ueberdachte sagte Ahlen-Trainer Marco Antwerpen: „Viele Vereine arbeiten unter Profi-Bedingungen – und unsere Spieler gehen alle ihrem normalen Studium oder Beruf nach.“ Und ein Blick in die Lebensläufe der Spieler zeigt: Über Erfahrung in der Regionalliga West verfügt kaum einer.

Trotzdem sollte man die Mannschaft nicht unterschätzen: Als Tabellenzweiter der Oberliga Westfalen gelang Ahlen der Aufstieg in die Regionalliga West – mit 22 Siegen, vier Unentschieden und acht Niederlagen bei einem Torverhältnis von 72:39.

Zudem haben zwar acht Spieler in der Sommerpause den Verein verlassen, dafür haben die Verantwortlichen in Ahlen aber zehn Neue geholt, teils aus dem eigenen Nachwuchs. Unter anderem kehrt Cihan Yilmaz aus der zweiten türkischen Liga nach Ahlen zurück. Und mit Julian Wolff stößt ein baumlanger Innenverteidiger zum Team, der in der vergangenen Regionalliga-Saison in 29 Spielen für die zweite Mannschaft des FC Schalke 04 auf dem Platz stand – unter anderem in beiden Spielen gegen die Alemannia.

  • Die Schlüsselspieler

Beide Neuverpflichtungen werden bei RW Ahlen Schlüsselrollen einnehmen. Cihan Yilmaz, der als junger Spieler zwischen 2003 und 2005 schon zu Zweitligazeiten für den Verein spielte, kehrt mit nun 32 Jahren mit großer Erfahrung an seine alte Wirkungsstätte zurück.

In den letzten acht Jahren spielte der offensive Mittelfeldakteur in der ersten und zweiten türkischen Liga – in der erstklassigen Süper Lig schoss er in 64 Spielen zwölf Tore und bereitete vier vor; in der zweitklassigen 1 Lig waren es 14 Tore in 72 Spielen. Ahlens sportlicher Leiter Joachim Krug sagte gegenüber „RevierSport“: „Cihan ist mit seinen Qualitäten und seiner langjährigen Erfahrung eine absolute Bereicherung für unsere Mannschaft.“

Ahlens neuer Innenverteidiger Julian Wolff kennt mit seinen 23 Jahren die Regionalliga West schon besser als manch älterer Spieler: 87 Spiele gehen in dieser Spielklasse bereits auf sein Konto – anfangs für den VfL Bochum II, später für Schalke II. Von seinen 29 Spielen in der Saison 2014/2015 ging er 26-mal über die vollen 90 Minuten – zweimal wurde er ausgewechselt und einmal flog er mit glatt Rot vom Feld.

In der Offensive wird zudem der 24-jährige Neuzugang Cihan Bolat für Gefahr sorgen, der in der letzten Saison für die zweite Mannschaft von Arminia Bielefeld in der Oberliga Westfalen in 33 Spielen 19 Tore schoss und sieben vorbereitete.

  • Die Vorbereitung

Zum Abschluss der Saisonvorbereitung spielte Rot Weiss Ahlen am letzten Samstag gegen den Brinkumer SV aus der fünftklassigen Bremenliga. Ahlen gewann die Generalprobe zwar mit 4:2 – dem Spielbericht auf der Vereinswebsite zufolge auch hochverdient. Aber es offenbarte sich auch eine Schwäche: Nach einer Viertelstunde führte der Fünftligist mit 2:0.

Die Treffer für Ahlen erzielten Damir Ivancicevic, Aygün Yildirim mit einem Doppelpack und der junge Cihan Bolat.

  • Unser Fazit

Auf dem Papier zählt Rot Weiss Ahlen sicher zu den schlagbaren Gegnern in der Regionalliga West. Ahlens Trainer Marco Antwerpen setzt darauf, dass die Mannschaft der Alemannia in der frühen Phase der Saison noch nicht auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit ist – und rechnet sich zumindest Außenseiterchancen aus.

Die Alemannia sollte ihrerseits den Gegner überaus ernst nehmen – dafür wird Coach Christian Benbennek sorgen. Der letzte Test der Ahlener zeigte, dass die Mannschaft in der Defensive gerade am Anfang der Partie noch nicht gut genug aufeinander abgestimmt ist: Diese Sollbruchstelle müssen die Stürmer der Alemannia ausnutzen.

Über mehr Erfahrung und größere spielerische Qualität verfügt die Alemannia in jedem Fall.

LINK: „Ja, da kannste klatschen!“ – die zehn besten Alemannia-Videos auf Youtube

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1 Trackback / Pingback

  1. Waffen auf der Bank | Ueberdachte - Fußball-Fanzine aus Aachen

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