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Nur nichts überstürzen

Meinung

So offen wie im Moment wurde das Wort „Aufstieg“ in Aachen selten in den Mund genommen. Grund ist das neue Selbstbewusstsein. Etwas Zurückhaltung würde jetzt guttun!

Saisonziel 2015/2016

Von Marcus Erberich

Am Ende fehlte ein Punkt. Ein einziger, mickriger, verflixter Punkt. Einer von der Sorte, den man während der Saison gut und gerne hätte holen können – und deshalb nachher umso gieriger bereut: Hätte man nur nicht beim FC Kray gepatzt! Hätte man nur in Hennef mehr aus seinen Möglichkeiten gemacht! Hätte, hätte, hätte.

Was bleibt von der letzten Saison?

Erstens die Gewissheit, dass zur Meisterschaft und der damit verbundenen Chance auf den Aufstieg nicht viel fehlte. Auch, wenn man sich eingestehen muss, dass Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag bei der zweiten Mannschaft des FC Schalke wohl nicht verloren hätte, wenn der Kampf um Platz eins zu dem Zeitpunkt nicht schon entschieden gewesen wäre.

Zweitens das Gefühl, in der Regionalliga West zu den Großen zu gehören. Ausverkaufter Tivoli gegen Rot-Weiss Essen, Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach II, beste Abwehr der Liga – und das im zweiten Jahr nach dem Abstieg in die Viertklassigkeit! Wer aufsteigen will, der muss erst mal an uns vorbei: Dieses Selbstverständnis machte sich bei Mannschaft und Fans breit, wenn es auch lange Zeit nicht offen ausgesprochen wurde.

Und drittens der Druck, das Erreichte in der neuen Saison wiederholen zu müssen. Nur, wenn möglich, mit einem besseren Ausgang. Denn wer einmal die klare Luft am Gipfel geatmet hat, für den riecht es weiter unten fortan wie der Turnbeutel eines Teenagers.

Vielleicht liegt es daran, dass es über die Zielsetzung für die Saison 2015/2016 im öffentlichen Diskurs keine zwei Meinungen zu geben scheint. Die Erwartung: Alemannia Aachen muss Meister werden und aufsteigen. Komme, was wolle. Oder aber, wäre es nicht schon vor ein paar Jahren als Motto ausgegeben worden: Auf Gedeih und Verderb!

Aber wer so denkt, der vergisst dabei etwas, das sich am einfachsten mit einer Phrasenschwein-Weisheit formulieren lässt: Die Karten werden neu gemischt. Wir wissen doch gar nicht, welche Teams in der neuen Saison um den Aufstieg mitspielen werden. Wir können nur mutmaßen, wie stark Borussia Mönchengladbach II sein wird, wie stabil Rot-Weiss Essen und wie gefährlich Viktoria Köln.

Saisonziel 2015/2016

Die Stimmung in der Mannschaft scheint jedenfalls zu passen.

Und viel wichtiger: Wir werden erst einmal abwarten müssen, welches Gesicht der Alemannia wir ab dem Anpfiff zur Hinrunde sehen werden. Erreicht Christian Benbennek seine Mannschaft? Können die Spieler seine Vorstellung von Fußball auf dem Rasen in Pässe und Laufwege umsetzen? Und fügen sich die neuen Spieler ins bestehende Team gut ein?

Solange diese Fragen nicht zumindest im Ansatz beantwortet sind, ist es nutzlos, über Saisonziele zu fabulieren. Ja, der Aufstieg muss her. Aber wie Aufsichtsratschef Christian Steinborn erst diese Woche den „Aachener Nachrichten“ diktierte, ist das Ablaufdatum dieses Projekts noch drei Jahre entfernt. 2018 soll es so weit sein, spätestens: „Wir müssen aus dieser Liga heraus, je schneller, umso besser.“

Übrigens: In der Schlussphase der letzten Saison konnten wir dabei zusehen, wie die Knie mancher Alemannen mit steigendem Druck immer weicher wurden. Aufsteigen ist zwar schön, aufsteigen zu müssen aber offensichtlich mehr Belastung als Motivation. Ein Grund mehr, den Ball bis auf Weiteres flach zu halten. Damit wir eines so bald nicht wieder sagen müssen: Hätte, hätte, hätte.

LINK: Die Saisonvorbereitung bei Alemannia Aachen

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