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Benjamin Auer: „Es war eine Ehre, auf dem alten Tivoli zu spielen“

Tivoli-Helden

133 Spiele für die Alemannia, 62 Tore, 21 Vorlagen – Benjamin Auer hat seine beste Zeit als Fußballprofi in Aachen erlebt. Im Interview spricht er über seinen Abschied, über die Rolle der Fans und über Amateur-Fußball in Pirmasens.

Interview: Marcus Erberich

Benjamin Auer, fünf Tore und vier Vorlagen in zwölf Spielen für den FK Pirmasens: Läuft gerade ganz gut bei dir, oder?

Ich bin in der Form meines Lebens und warte darauf, dass mich ein großer Klub im Sommer verpflichtet, da ich ja auch ablösefrei bin (lacht).

Du hast vor deinem Engagement in Pirmasens ein paar Jahre pausiert. Hast du schon mit dem Gedanken gespielt, die Fußballschuhe ganz an den Nagel zu hängen?

Zweieinhalb Jahre, um genau zu sein. Eigentlich hatte ich das Thema Fußball schon längst abgeschlossen und wollte auch nicht mehr kicken. Ich tobte mich sportlich anderweitig aus. Ich bin einen Marathon gelaufen, habe mich an Krafttraining, Squash, Tennis und Badminton probiert – und immer mal wieder in der Traditionsmannschaft von Mainz 05 oder in der Toto-Lotto-Elf gespielt. Letztes Jahr im Sommer kam Karsten Volberg, der Präsident des FK Pirmasens, Steuerberater meiner drei Fitnessstudios und mein Freund, auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, ihnen ein bisschen auszuhelfen, da sie keinen Stürmer fanden. Im Sommer lehnte ich noch ab, da wir unseren zweiten Sohn erwarteten und ich beruflich zeitlich stark in den Geschäften eingebunden bin. Aber er ließ einfach nicht locker. Also habe ich mich entschlossen, nochmals die alten Schuhe zu schnüren und bis zum Ende der Saison dem FKP zu helfen.

Wie ist das, jetzt plötzlich doch wieder unter Profi-Bedingungen Fußball zu spielen?

(lacht) Wir sind alles Amateure! Alle Jungs studieren oder arbeiten. Die Trainingsbedingungen sind auch alles andere als professionell. In der Wintervorbereitung konnten wir bis zum ersten Spiel sage und schreibe viermal auf unserem Rasen trainieren. Den Rest der Zeit waren wir in der Halle oder im Fitnessstudio. Aber es macht mir doch noch Spaß, mit den Jungs zu spielen, obwohl es mir im Vergleich zu früher alles etwas schwerer fällt…

Es läuft gut, aber nicht ganz so gut wie zu deiner Zeit bei Alemannia Aachen. Da waren es am Ende 62 Tore und 21 Vorlagen in 133 Spielen! War die Zeit in Aachen rückblickend die beste in der Karriere als Fußballprofi?

Absolut! Meiner Frau und mir hat es in Aachen super gefallen. Wir liebten die Stadt, die Nähe zu Belgien, Holland, Köln oder auch Düsseldorf. Wir haben so viele tolle Menschen kennengelernt und das Wichtigste: Unser erster Sohn Nico ist in Aachen geboren und somit ein echter Öcher. Sportlich waren es auch vier tolle Jahre, ich hatte die Ehre, noch im alten Tivoli spielen zu dürfen. Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut! Daher ist es umso trauriger, dass es mit dem Abstieg endete. Das hat die Stadt und natürlich die Fans nicht verdient. Der Abstieg hat sehr geschmerzt, da mir der Verein sehr ans Herz gewachsen ist. Mir war auch direkt klar, dass ich nicht mehr in Deutschland spielen wollte. Als sich für mich und meine Familie im Ausland nichts Passendes ergab, war der Entschluss schnell gefasst, die Karriere zu beenden.

Was war das damals für eine Alemannia, die du ja etliche Male auch als Kapitän angeführt hast?

Schwer zu sagen. In den ersten beiden Jahren hatte ich mit den Jungs sehr viel Spaß. Wir haben uns untereinander sehr gut verstanden. Wir trafen uns außerhalb des Fußballplatzes, gingen zwischen den Trainingseinheiten zum Mittagessen oder auch Kaffee trinken. Es war eine schöne Zeit. Im dritten Jahr kam Peter Hyballa und es wurde verstärkt auf die Jugend gesetzt und versucht, die älteren Spieler auszusortieren. Sportlich konnten wir in der Liga nur bedingt überzeugen, aber im DFB-Pokal kamen wir bis ins Viertelfinale, wo wir dann an den Bayern scheiterten. Nach der Saison wurden Höger, Stieber und Arslan abgegeben und nichts Adäquates verpflichtet. Uns wenigen alten Spielern war schon damals vor der Saison klar, dass es schwer werden würde. Es war für mich eine große Ehre, Kapitän eines so tollen Vereins zu sein. Letztendlich waren es nicht die Spieler, Trainer oder Manager, die die Alemannia ausmachten, sondern die Fans. Ich habe so eine Unterstützung, Interesse und Euphorie selten erlebt!

Und was ist die Alemannia aus deiner Sicht heute?

Ich würde es mir wünschen, dass es die Alemannia schafft, zumindest erstmal wieder in die dritte Liga aufzusteigen. Dieses Jahr wird es wahrscheinlich nicht mehr funktionieren, aber ich drücke für die kommende Saison die Daumen. Ich kann aus der Ferne nur schwer beurteilen, wie es in Aachen abläuft. Aber ich glaube, mit Alexander Klitzpera und Reiner Plaßhenrich sind zwei ehemalige Mitspieler von mir in wichtigen Positionen, die genau wissen, was in Aachen wichtig und nötig ist, um den Verein wieder besser zu positionieren.

FK Pirmasens, Regionalliga Südwest, Abstiegskampf. Welche Ambitionen hat dein neuer Verein?

Für uns geht es nur um den Klassenerhalt. Das Blöde an der Regionalliga ist, dass man nicht weiß, wie viele Mannschaften absteigen. Wir müssen hoffen, dass kein Drittligist in unsere Liga absteigt, und vielleicht von unseren zwei möglichen Aufsteigern einer die Relegationsspiele übersteht. Ich finde, man müsste gerade in der Regionalliga das System überdenken. Man stelle sich vor, du gewinnst alle Spiele, bist Erster und verspielst die komplette Saison innerhalb der zwei Relegationsspiele!

… und welche Ambitionen hast du?

In vier Wochen gesund und mit guter Laune in den Urlaub zu fahren und mit einem guten Gefühl und Gewissen die Schuhe endgültig an den Nagel zu hängen.

Gemeine Frage: Relegation um den Aufstieg in die dritte Liga; Alemannia Aachen gegen den FK Pirmasens. Theoretisch ein mögliches Szenario. Für wen schlägt dein Herz?

Ich würde nicht spielen. Und zuschauen wahrscheinlich auch nicht!

Dein Abschied von Alemannia Aachen im Sommer 2012 verlief irgendwie ziemlich geräuschlos. Dabei warst du über Jahre ein absoluter Leistungsträger! Wie erklärst du dir das?

Man muss doch nicht immer mit Pauken und Trompeten abtreten. Ich genieße lieber den stillen Abgang.

Vier Jahre Alemannia Aachen, dann plötzlich Funkstille um Benjamin Auer. Gibt es etwas, das du den Fans in Aachen seitdem dringend noch sagen willst? Jetzt hast du die Gelegenheit dazu…

Liebe Alemannen, es waren vier wunderschöne Jahre, an die ich gerne zurückdenke. Bleibt der Alemannia treu, denn gerade ihr macht den Unterschied zu vielen anderen Vereinen. Die Welt ist so klein, man sieht sich immer mal wieder… \

LINK: In Wanne-Eickel zerplatzt der große Traum

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2 Kommentare zu Benjamin Auer: „Es war eine Ehre, auf dem alten Tivoli zu spielen“

  1. Lieber Herr Auer,
    Bitte kommen sie zurück nach Aachen und hängen sie noch ein letztes Jahr dran. Sie würden der jungen Truppe bestimmt weiterhelfen!

  2. Thorsten // 4. Mai 2015 um 16:16 // Antwort

    Benny, häng noch ein Jahr bei Aachen dran 😦

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