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Pisano: „Spiele gegen Aachen? Ein Gefühl von Bundesliga“

Der aktuell beste Angreifer der Regionalliga West, Giuseppe Pisano von Borussia Mönchengladbach II, freut sich im Interview auf einen vollen Tivoli und seinen Lieblingsgegner Alemannia Aachen. Und: Bei Spielen gegen Aachen liege ein Gefühl von Bundesliga in der Luft.

Interview: Tim Habicht

Herr Pisano, Sie führen derzeit die Torjägertabelle der Regionalliga West mit 15 Treffern (plus zehn Vorlagen) an. Spielen Sie die beste Saison Ihres Lebens?

Das würde ich so nicht sagen. Natürlich bin ich mit der Saison bislang sehr zufrieden und freue mich, dass es so gut läuft. Das Wichtigste ist aber, dass wir als Mannschaft so gut da stehen. Ich denke, das ist auch ein Grund dafür, dass wir in der Offensive so viele Möglichkeiten haben, Tore zu erzielen.

Aus der Jugend von Fortuna Düsseldorf wechselten Sie zur Jugend des FC Schalke 04. Wie beurteilen Sie selbst die fußballerische Ausbildung, die Sie durchliefen?

Ich habe eine extrem gute Ausbildung genossen. Gerade die drei Jahre beim FC Schalke 04 unter Trainer Norbert Elgert haben mich sehr geprägt. Wir sind damals ja auch deutscher A-Jugend-Meister geworden.

Rund ein Jahr standen Sie bei UD Ibiza-Eivissa unter Vertrag. Wie kam es zu diesem doch eher ungewöhnlichen Wechsel?

Es ist damals mit meinem Berater einiges schief gelaufen, so dass ich dieses Jahr auf Ibiza in sportlicher Hinsicht als schwarzes Kapitel meiner Karriere bezeichnen würde. Ich wollte eigentlich vom FC Schalke 04 zu einem Zweitligisten gehen, weil der Sprung zu den Profis damals noch deutlich schwieriger war, als das heute vielleicht der Fall ist.

Das hat dann aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, so dass ich im Sommer plötzlich vereinslos war. Ich wollte unbedingt Fußball spielen und über einen anderen Berater kam dann der Kontakt nach Spanien zustande. Ibiza war ein ambitionierter Klub, der in die zweite spanische Liga aufsteigen wollte. Die Rahmenbedingungen haben gepasst, also habe ich den Schritt gewagt.

In Spanien spielten Sie nur wenig. Warum?

In der Hinrunde habe ich eigentlich noch recht häufig gespielt, aber der Verein konnte ab der Winterpause die Gehälter nicht mehr bezahlen. Dann ist das Ganze nach und nach in die Brüche gegangen. Wir hatten damals viele erfahrene Spieler im Kader, die schon in der Primera Division gespielt hatten, und standen in der Tabelle gut da. Aber nach einigen Monaten wollten wir das als Mannschaft nicht mehr mitmachen und haben den Spielbetrieb boykottiert.

Es folgte Ihr erstes Mal Mönchengladbach. Auch dort war nach einem Jahr bereits Schluss. Wollten Sie zu schnell den Sprung in die erste Mannschaft der Borussia schaffen?

Aus meiner Sicht hätte ich damals durchaus eine Chance bei den Profis verdient gehabt, da ich unter Horst Wohlers eine sehr gute Saison in der U23 gespielt hatte. Ich war noch jung und schon ein Leistungsträger, der sich auch gegen Moses Lamidi oder Fabian Bäcker, die zum Profikader zählten, aber in der Regel in der Regionalliga zum Einsatz kamen, durchgesetzt hat.

Leider kam es aber nicht dazu, dass ich mich bei den Profis zeigen konnte. Im Sommer gab es dann verschiedene Anfragen. Jürgen Luginger, den ich bereits kannte, hat sich sehr intensiv um mich bemüht und wollte mich unbedingt zum 1. FC Saarbrücken holen, um dort eine Mannschaft aufzubauen. Schließlich habe ich mich dann zu diesem Schritt entschieden.

„Ich gehe davon aus, dass wir für Giuseppe Pisano einen ambitionierten Drittligisten oder auch einen Zweitligisten finden werden“, sagte Ihr Berater Sascha Beumer kurz vor Ihrem Wechsel zum 1. FC Saarbrücken in die 3. Liga. Wie beurteilen Sie Ihre Zeit im Saarland?

giuseppe-pisano-textIch hatte ein sehr schönes und ein extrem frustrierendes Jahr im Saarland. In der ersten Saison lief es nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für mich persönlich überragend. Wir haben als Aufsteiger in der 3. Liga eine tolle Saison gespielt und ich habe viele Tore geschossen.Es lief richtig rund, so dass in der folgenden Spielzeit einiges für uns möglich gewesen wäre.

Leider hatte ich anschließend mit enormen Verletzungsproblemen zu kämpfen, kam gar nicht mehr auf die Beine und bin von einer Verletzungspause in die nächste geschlittert. Das Jahr war einfach zum Vergessen.

Nach einer Saison voller Verletzungssorgen die Rückkehr nach Gladbach. Fühlte sich das nicht an wie ein Rückschritt?

Der Schritt nach Gladbach war für mich kein Rückschritt, sondern eine Rückkehr nach Hause. Meine lange Leidenszeit hat mich sehr mitgenommen, und ich hatte Respekt davor, noch einmal ganz woanders hinzugehen. Ich habe bei Borussia eine große Rückendeckung seitens der Verantwortlichen wie Roland Virkus gespürt und hatte daher das Gefühl, dass ich mich in diesem Umfeld behutsam an die Form herantasten kann, die ich jetzt wieder erreicht habe. Ich habe diese Zeit einfach gebraucht und bin daher extrem glücklich, dass ich mich zur Rückkehr zu Borussia entschieden habe.

Inzwischen läuft es bei Ihnen wieder wie am Schnürchen. Was macht Borussia Mönchengladbach II in dieser Saison so unheimlich stark?

Wir funktionieren einfach als Team. Wir verteidigen gut und sind in der Offensive brandgefährlich. Zudem verfügen wir über eine enorm hohe individuelle Qualität und sind darüber hinaus eine richtige Einheit – das spürt man sowohl auf als auch neben dem Platz. Das ist nicht selbstverständlich und unsere große Stärke.

In der aktuellen Spielzeit stellt Alemannia Aachen die beste Defensive der Regionalliga West. Sie als Stürmer können es wohl am besten beurteilen: Was machen Marcus Hoffmann und Peter Hackenberg in der Innenverteidigung der Alemannia so gut?

Die Aachener verteidigen in dieser Saison sicherlich sehr gut, stehen kompakt und bekommen nur sehr wenige Gegentore. Ich denke aber, dass Mario Rodriguez und ich Tempovorteile gegenüber den Innenverteidigern haben werden. Diese gilt es auszunutzen.

Gegen Alemannia Aachen haben Sie gute Erinnerungen. In der letzten Saison trafen Sie dreifach gegen die Schwarz-Gelben im Borussia-Park. Eine besondere Erfahrung für Sie?

Die Spiele gegen Aachen sind für mich immer etwas Besonderes. Es ist immer schöner, in ein volles Stadion einzulaufen, als vor 300 Zuschauern zu spielen. Man kommt dem Gefühl, wie es wäre, in der Bundesliga zu spielen, schon recht nahe. Da will jeder Spieler die Gelegenheit nutzen, sich zu zeigen. Auch ich konnte in diesen Spielen in der Vergangenheit immer nochmal eine Schippe drauflegen. Zudem liegt mir die Alemannia persönlich sehr gut – ich habe ja auch schon im Hinspiel gegen sie getroffen und in der vergangenen Saison sogar drei Tore erzielt. Daran will ich natürlich anknüpfen.

Was für ein Spiel erwarten Sie vor rund 20.000 Zuschauern am Tivoli?

Es wird in jedem Fall ein sehr hochklassiges, intensives und kampfbetontes Spiel. Für Aachen ist es möglicherweise die letzte Chance, noch einmal an uns heranzukommen. Der Druck liegt also ganz klar bei der Alemannia. Sie werden mit ihren Fans im Rücken alles dafür tun, um das Spiel zu gewinnen. Wir können hingegen befreit aufspielen, wissen um unsere Stärken und wollen diese auch am Freitag ausspielen. Ich freue mich schon sehr auf das Spiel.

Sollte der Aufstieg in dieser Saison mit Borussia Mönchengladbach II in die 3. Liga nicht gelingen, denken Sie dann über einen Wechsel nach? Immerhin sind Sie im besten Fußballeralter und die Regionalliga wird wohl nicht Ihr Ziel sein, oder?

Meine Entscheidung mache ich nicht davon abhängig, in welcher Liga die U23 in der kommenden Saison spielt. Das ist eine Entscheidung, die ich privat für mich treffe. Ich fühle mich bei der Borussia sehr wohl und sie ist auch mein erster Ansprechpartner. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mir meine Karriere eigentlich ein wenig anders vorgestellt habe. Viele meiner Freunde spielen bei internationalen Top-Klubs wie Borussia Dortmund oder Real Madrid.

Und auch mir wurde von vielen Trainern und Personen aus meinem Umfeld immer wieder bestätigt, dass für mich mehr als „nur“ die Regionalliga möglich gewesen wäre. Jetzt habe ich eine sehr gute Saison gespielt – da ist es normal, dass es Begehrlichkeiten von anderen Vereinen gibt. Ob ich aber hier bleibe, oder woanders weitermache, kann ich derzeit noch nicht sagen. Ich warte ab, was die nächsten Wochen bringen und werde mich dann entscheiden.

Ein Sieg im direkten Duell mit Alemannia Aachen dürfte eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft sein, oder?

Sicherlich ist es für beide Mannschaften ein Schlüsselspiel, aber von einer Vorentscheidung um die Meisterschaft würde ich nicht sprechen. Wir wollen natürlich gewinnen, um uns eine hervorragende Ausgangsposition zu verschaffen. Aber im Fußball ist alles möglich. Daher müssen wir, auch wenn wir in Aachen gewinnen sollten, bis zum Saisonende alles geben und unsere Hausaufgaben erledigen. Das Nachholspiel in Rödinghausen haben wir ja auch noch nicht gewonnen. \

LINK: Aachen fährt im Meister-Rennen auf der Außenbahn

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